11. Vertrauensintervalle, falls die Populationsvarianz bekannt ist
Punktschätzungen für Populationsparameter liefern uns die bestmögliche Schätzung
für den unbekannten Populationskennwert, wenn dieser aus Stichprobendaten geschätzt werden
soll. Das Problem an Punktschätzungen ist allerdings, dass die mit der Stichprobenziehung
verbundene Unsicherheit nicht berücksichtigt wird.
Wir wissen allerdings
bereits, dass der Standardfehler eines Stichprobenkennwertes Auskunft über die Präzision
gibt, mit welcher dieser Kennwert geschätzt werden kann. Mit dieser zusätzlichen
Information lassen sich nun sogenannte Konfidenz- oder Vertrauensintervalle berechnen,
welche im Gegensatz zu Punktschätzungen Auskunft über die Unsicherheit bezüglich dem
Populationskennwert zum Ausdruck bringen.
Vertrauensintervalle lassen sich durch
einfaches Umformen aus den entsprechenden Mutungsintervallen herleiten. Für den
Stichprobenmittelwert ergibt sich folgende Formel für das Vertrauensintervall:

Für den Stichprobenanteilswert ergibt sich analog folgende Berechnung des Vertrauensintervalles:

Wie lassen sich nun Vertrauensintervalle interpretieren? Vertrauensintervalle
sind so konstruiert, dass sie mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit den tatsächlichen
Populationskennwert umschliessen. Anders formuliert: Der unbekannte Populationskennwert
befindet sich mit der vorgegebenen Wahrscheinlichkeit innerhalb des berechneten
Vertrauensintervalles.
Die Breite des Vertrauensintervalles drückt aus, mit
welcher Genauigkeit anhand der Stichprobe auf den Populationskennwert geschlossen werden
kann. Die Breite des Konfidenzintervalles für den Stichprobenmittelwert bzw. -anteilwert
ist gegeben durch den folgenden Ausdruck:

Anhand der obigen Formeln ist ersichtlich, welche Grössen die Breite des Vertrauensintervalles beeinflussen:
- Die Wahrscheinlichkeit, mit welcher das Vertrauensintervall den unbekannten Populationskennwert umschliessen soll. Je grösser diese Wahrscheinlichkeit sein soll, desto breiter wird das entsprechende Vertrauensintervall. Wollte man etwa ein Vertrauensintervall bilden, welches den wahren Populationskennwert mit 100% Wahrscheinlichkeit umschliesst, erhält man ein Vertrauensintervall von unendlicher Breite!
- Der Standardfehler des Stichprobenkennwertes. Je kleiner der Standardfehler des Stichprobenkennwertes, desto kürzer wird das Vertrauensintervall. Hier fliesst somit direkt die Präzision ein, mit welcher der Kennwert geschätzt werden kann.